MMM18 - weltweite Blutdruckmessaktionen

May Measurement Months 2017: An Analysis of Blood Pressure Screening Worldwide

Institut für Präventive Medizin unterstützte die Aktion der ISH (International Society of Hypertension)

Rückblick

Bereits 2017 beteiligte sich das Institut für Präventive Medizin an der Messaktion MMM17 der Internationalen Gesellschaft für Hypertonie (ISH). Die in The Lancet veröffentlichten Ergebnisse der weltweiten Blutdruckmessungen (“May Measurement Month 2017: an analysis of blood pressure screening results worldwide”; www.thelancet.com/lancetgh Vol 6 July 2018) zeigen deutlich, dass Hypertonie nach wie vor eine der größten gesundheitsbedrohenden Herausforderungen und die Behandlung trotz zur Verfügung stehender Therapieoptionen noch immer nicht befriedigend ist.              

Neuauflage 2018

Deshalb erklärte sich das IPM gerne bereit, die Messaktion der Internationalen Gesellschaft für Hypertonie (ISH) MMM18 erneut zu unterstützen.

Ziel war es, die Wahrnehmung für die Gefahren durch den erhöhten Blutdruck zu erhöhen. Möglichst viele Bürger der Metropolregion Nürnberg sollten nicht nur auf die Aktion am 23. und 24. Mai 2018 hingewiesen, sondern insbesondere auch sensibilisiert werden für die Notwendigkeit der Blutdruckmessung und -behandlung.

Das IPM lud deshalb zusammen mit der Pressestelle des Klinikums Nürnberg zu einer Pressekonferenz ein, an der Prof. Roland Schmieder (Mitglied im Vorstand der International Society of Hypertension), Prof. Roland Veelken (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 4, Schwerpunkt Nephrologie) und Dr. Christof Beck (Diabetologe DDG und Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Nephrologie und Hypertensiologie) Rede und Antwort standen.

Gemeinsam aktiv

Neben dem Institut für Präventive Medizin war bei den MMM18-Messungen die Selbsthilfegruppe Hypertonie Nürnberg beteiligt, die einerseits seit über 20 Jahren vom IPM unterstützt wird, die aber andererseits auch eine wichtige Aufgabe bei der Öffentlichkeitsarbeit für das IPM leistet.

Zusätzlich beteiligten sich an der Kampagne die Diabetesberatung des Klinikums Nürnberg Süd, die Betroffene und Interessierte über den Zusammenhang von Bluthochdruck und Diabetes informierte. Wie schon im Vorjahr war auch das Team der Klinischen Forschungsstation für Hypertonie und Gefäßmedizin in Erlangen (Clinical Research Center, CRC) wieder mit dabei und informierte über die Beteiligung der Nieren bei der Regulierung des Blutdrucks.

Zahlreiche Messungen

Insgesamt wurden an den beiden Nachmittagen 157 Messungen registriert.

Die Mehrzahl der Teilnehmer nutzte die kostenlose Messung zur Überprüfung der eigenen Blutdruckwerte und für den Austausch mit dem Fachpersonal bzw. mit den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe.

Die von der Internationalen Gesellschaft für Hypertonie (ISH) vorgegebenen Richtlinien zur korrekten Messung im Rahmen der MMM18 sind sehr umfangreich (standardisierte dreifache Blutdruck-Messung und Ausfüllen eines Fragebogens). Nur ein kleinerer Teil nahm sich die Zeit, an der kompletten MMM18-Messung teilzunehmen.

Ernüchterung

Auch in diesem Jahr wurden in mehreren Fällen Teilnehmer gebeten, sich wegen ihrer erhöhten Blutdruckwerte an ihren Arzt zu wenden. Zum Teil war ihnen der erhöhte Blutdruck gar nicht bekannt. Zum größeren Teil waren die Betroffenen aber trotz besseren Wissens unbehandelt oder trotz Medikamenten so schlecht eingestellt, dass von den erhöhten Werten weiterhin eine Gefahr für ihre Gefäße und Organe ausging.

Ernüchternd ist die Tatsache, dass das Thema Hypertonie in den vergangenen Jahren zwar in der Öffentlichkeit sehr viel mehr präsent ist und das theoretische Wissen über die Gefahren eines erhöhten Blutdrucks zunimmt, andererseits das vorhandene Wissen dennoch nicht auf die eigene Person angewandt und die Behandlung oftmals nicht mit der nötigen Konsequenz durchgeführt wird.

Dilemma

Was macht es so schwierig, Patienten zur Behandlungstreue zu motivieren? Und wie kann eine befriedigende Senkung des Blutdrucks auch bei schwer einstellbaren Patienten gelingen?

May Measurement Months 2017: An Analysis of Blood Pressure Screening Worldwide

Im Moment stehen den Patienten drei Säulen zur Blutdrucksenkung zur Verfügung:

Die erste Säule, die Lebensstiländerung, umfasst den vom Patienten selbst beeinflussbaren Bereich im Hinblick auf Ernährung, Bewegung, Stress und Trinkgewohnheiten. Bestenfalls wäre diese Säule überflüssig, wenn bereits im Kindesalter durch vorgelebtes Verhalten und durch die Erziehung in der Familie und in der Schule ein gesunder Lebensstil entwickelt worden wäre. Da dieser Prozess aber leider oft nicht sehr erfolgreich verläuft, ist es erforderlich, eine Kehrtwendung einzuleiten. Mit Unterstützung von außen - durch Aufklärung und die Begleitung durch Institutionen - wächst die eigene Motivation, ein gesünderes Leben führen zu wollen.

Patientenschulungen können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Die Patienten lernen, welche präventivmedizinischen Maßnahmen sie vor Folgeerkrankungen des erhöhten Blutdrucks schützen können. Und es wird den Patienten ein ganzer Strauß an Ideen und Vorschlägen zur Lebensstiländerung mit auf den Weg gegeben.

Dazu gehören:

    • bei Übergewicht Gewichtsreduktion
    • körperliche Bewegung steigern
    • Stressbewältigung und Entspannungstraining
    • Kochsalz reduzieren
    • Alkoholkonsum reduzieren
    • Rauchen einstellen

Diese Maßnahmen sollten zeitlebens sowohl zur Prävention als auch in Addition zu anderen Behandlungsmethoden des erhöhten Blutdrucks durchgeführt werden.

Die zweite Säule, die Medikation zur Behandlung des erhöhten Blutdrucks, steht erst seit Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts zur Verfügung. Als erstes Medikament wurde ein Diuretikum zur Blutdrucksenkung eingesetzt. Heute stehen fünf Arzneimittelgruppen zur Verfügung, aus denen der Arzt die für den Patienten geeigneten Medikamente auswählen kann: 

  • ACE-Hemmer
  • AT1-Rezeptor-Antagonisten
  • Beta-Blocker
  • Kalzium-Antagonisten
  • Diuretika

Die Medikation zur Senkung des erhöhten Blutdrucks ist gut erforscht, in der Regel sehr wirksam, gut dosierbar, nebenwirkungsarm und ein wichtiger Baustein zur Vermeidung hochdruckbedingter Komplikationen.

Dennoch lässt die Therapietreue oft zu wünschen übrig - aus Vergesslichkeit, aus mangelnder Einsicht oder aufgrund der falschen Annahme, dass der Blutdruck nach der vorübergehenden Einnahme der Medikamente auf Dauer gesenkt wird. Und es gibt es eine große Gruppe von Patienten, deren Blutdruck trotz der Medikation nicht ausreichend gut eingestellt ist. Die Ursache können z. B. Resistenzen sein, also eine mangelhafte Wirkung der Medikation in manchen Fällen.

Beide Gruppen schlecht eingestellter Patienten laufen weiterhin Gefahr, dass durch den erhöhten Blutdruck ihre Gefäße geschädigt werden, sie einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erleiden können oder sich andere Folgeerkrankungen einstellen.

Die dritte Säule, die Ablation, setzt bei den Nieren an. Die Nieren sind ein wichtiger Teil der Blutdruck-Regulation des Körpers. Eine übermäßige Aktivität der Nerven, die zu den Nieren verlaufen, kann erhöhten Blutdruck verursachen. Um den Nieren zu helfen, den Blutdruck besser zu kontrollieren, kann die Aktivität dieser Nerven mittels Ablation unterbunden werden.

Die Ablation, also die kathetergeführte Verödung von Nierenarteriennerven, ist eine noch junge Methode der Blutdrucksenkung. Zwar ist diese Art der Behandlung ebenfalls in den 50ern des letzten Jahrhunderts schon praktiziert worden, jedoch bedeutete der Eingriff damals eine große Operation mit allen damit verbundenen Risiken. Als dann die ersten Medikamente auf den Markt kamen, die komfortabel und sicher in der Anwendung waren, geriet die Ablation in Vergessenheit.

Erst vor etwa 10 Jahren besann man sich erneut auf diese Methode, weil inzwischen für die Ablation nur noch minimalinvasive Eingriffe erforderlich sind. Außerdem hatte man realisiert, dass die bisherigen Maßnahmen, also die Lebensstiländerung und die Medikation, allein als Antwort auf die Herausforderung Bluthochdruck oft nicht ausreichen.

Im Moment gehört die Nierennervablation noch nicht zu den Standard-Behandlungsmethoden bei erhöhtem Blutdruck. Sie wird derzeit nur im Rahmen von Studien in ausgewählten Zentren durchgeführt. Es besteht im Moment aber durchaus noch die Möglichkeit, dass interessierte Patienten an den Studien teilnehmen. Die bisherigen Ergebnisse der Forschung lassen die Vermutung zu, dass diese Säule der Behandlung in absehbarer Zeit an Bedeutung gewinnen wird.

Fazit

Nicht nur in den medizinisch schlechter versorgten Ländern stellt die Behandlung des Bluthochdrucks ein Problem dar, wie die Ergebnisse des MMM18 sicher wieder zeigen werden. Auch in den gut entwickelten, reichen Industriestaaten bleibt der Bluthochdruck ein großes Problem, das noch lange nicht beherrscht wird.

Solange das so ist, haben Aktionen wie MMM18 weltweit ihre Berechtigung, ja sogar Notwendigkeit, um auf das Problem aufmerksam zu machen, um die Betroffenen zu sensibilisieren und um endlich einen besseren Behandlungsstatus zu erreichen.